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Neue Regeln: EU will zukünftig deutlich mehr Elektroschrott sammeln

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Der Schatz im Müllberg

20.01.2012, 10:26 Uhr | dpa, dapd

Neue EU-Richtlinie: Handys und andere ausrangierte Elektro-Kleingeräte dürfen nicht mehr in den Hausmüll. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Neue EU-Richtlinie: Handys und andere ausrangierte Elektro-Kleingeräte dürfen nicht mehr in den Hausmüll. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wer kennt es nicht: Toaster, Rasierer und Co. geben in unregelmäßigen Abständen den Geist auf. Ein neues Gerät ist fällig – aber zuerst stellt sich eine andere Frage: Wohin mit dem alten Gerät? In die Mülltonne, zu einer Sammelstelle oder soll man für ein einziges Gerät extra den Elektro-Sperrmüll bestellen? Die EU hat mit einer neuen Elektroschrott-Richtlinie eindeutige Regelungen beschlossen. Damit soll den Verbrauchern geholfen werden. Aber auch die EU verdient an den Änderungen kräftig: Bisher landet durch die Entsorgung von Elektroschrott im normalen Hausmüll ein gigantischer Wert von zwei Milliarden Euro pro Jahr buchstäblich in der Tonne.

Wertvoller Rohstoffschatz

Handys, Rasierapparate oder Fernseher sollen nicht länger im Müll landen: Um den wertvollen Rohstoffschatz aus Gold, Kupfer oder Nickel zu heben und die Umwelt zu entlasten, werden die Recycling-Quoten in der EU hochgesetzt. Zudem müssen Großhändler bald alle Kleingeräte kostenlos zurücknehmen, auch wenn dafür kein neues Gerät gekauft wird.

18 Monate für Umsetzung

Eine entsprechende Neufassung der EU-Elektroschrottrichtlinie wurde am Donnerstag mit breiter Mehrheit vom EU-Parlament verabschiedet. Nach der formellen Bestätigung durch die Mitgliedsstaaten bleiben diesen 18 Monate Zeit, die neuen Regeln umzusetzen.

Verschärfte Recycling-Vorgaben

Zwar können Verbraucher auch jetzt schon ihren Elektroschrott an kommunalen Sammelstellen abgeben. Dennoch landen die meisten ausgedienten Toaster, Föne oder Küchenmixer im Hausmüll. Dadurch wird ein gigantischer Wert vernichtet – nach EU-Angaben zwei Milliarden Euro pro Jahr. Um das zu stoppen, werden die Recycling-Vorgaben verschärft. Bislang mussten vier von zwanzig Kilo Elektroschrott, die pro Jahr pro EU-Bürger anfielen, gesammelt und wiederverwertet werden. Nun wird nicht mehr pro Kopf gemessen, sondern auf den Anteil des Schrottes umgestellt: Bis 2019 muss schrittweise eine Quote von 85 Prozent des gesamten Elektromülls recycelt werden.

Neues Rücknahmesystem

In allen Elektronikgeschäften und Baumärkten mit einer Verkaufsfläche von mehr als 400 Quadratmetern können sie künftig ihre Kleingeräte kostenlos abgeben. Dort müssen dann auch die quecksilberhaltigen Energiesparlampen entgegengenommen werden. "Wir haben eine bürgerfreundliche Regelung gefunden", meint der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese. "Wenn die Hersteller kein funktionierendes Rücknahmesystem aufbauen, dann sollen die Mitgliedsstaaten Sammelboxen zur Pflicht machen." Sehen Sie hier, welche Änderungen die neue Richtlinie für Verbraucher bringt – und warum.

Illegaler Export in Dritte-Welt-Länder

Ob die neue Richtlinie auch dafür sorgt, dass gefährlicher Elektroschrott nicht länger illegal in Dritte-Welt-Länder verschifft wird, wird indes bezweifelt. Zwar muss beim Export künftig die Funktionsfähigkeit der Geräte bescheinigt und der sicherere Transport gewährleistet werden. "Aber das erhöht in erster Linie den Verwaltungsaufwand, dürfte aber Kriminelle nicht davon abhalten, Belege zu fälschen", meint der FDP-Abgeordnete Holger Krahmer. "Nötig sind mehr Zollbeamte, bessere Kontrollen und konsequenter Strafvollzug."

"Wilde" Entsorgung in Afrika oder Asien

Nach Angaben des Bundesumweltamtes werden alleine aus Deutschland jedes Jahr 155 Millionen Tonnen teils hochbelasteten Elektromülls ausgeführt. Das ist ein lukratives Geschäft, mit dem die strengen Abfallregeln in der EU umgangen werden. Die Endstation der "wilden" Entsorgung sind allzu oft gigantische illegale Halden in Afrika oder Asien.

Quelle: dpa, dapd


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