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Pilz-Gas soll Gemüse schützen

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Pilz-Gas soll Gemüse schützen

01.02.2012, 10:36 Uhr | dapd

Obst und Gemüse mit Pilz-Gas schützen: Der Durchbruch bei der natürlichen Konservierung? (Quelle: dpa)

Obst und Gemüse mit Pilz-Gas schützen: Der Durchbruch bei der natürlichen Konservierung? (Quelle: dpa)

Jedes Jahr werden Millionen Tonnen Obst und Gemüse durch die Welt transportiert, um unseren Hunger nach Lebensmitteln zu stillen. Allein an Bananen sind das etwa zehn Millionen Tonnen jährlich. Was vielen nicht bewusst ist: Mit der frischen Ware kommen auch Reste toxischer Substanzen auf unseren Teller, die zum Schutz vor Keimen und für die Schönheit aufgetragen werden. Doch damit könnte jetzt Schluss sein – natürlich unbedenkliches Pilzgas soll in Zukunft die Ware konservieren.

Natur statt Chemiekeule

Um Obst und Gemüse für lange Reisen fit zu halten, werden die Lebensmittel häufig mit bedenklichen Substanzen versetzt. "Die reine Chemiekeule", sagt Peter Lüth, Geschäftsführer der Prophyta GmbH in Wismar, der gemeinsam mit Verfahrenstechnikern der Hochschule Wismar an einer Alternative arbeitet. "Wir wollen die Fracht künftig mit einem aus Pilzen gewonnenen Gas besprühen, um sie auf natürliche Weise vor Keimen und Bakterien zu beschützen", sagte Lüth.

Natürliche Wunderwaffe

Die Wunderwaffe ist ein mikroskopisch kleiner Pilz mit dem Namen Muscodor albus, der in Lateinamerika in freier Natur in Pflanzen vorkommt. In Petrischalen gezüchtet, tötet er sämtliche Fäulniserreger ab. "Wir haben Tests mit Zitronen gemacht: Während die mit dem Muscodor-Gas besprühten Früchte gesund blieben, faulten die unbehandelten." Das Prinzip soll nun auf große Container mit Obst, Gemüse und Getreide übertragen werden.

Pilze gegen Pilze

Das Gas aus den Pilzen zu gewinnen, scheint kein großes Problem zu sein. Bei Prophyta werden bereits Pilze in großen Fermentern gezüchtet, deren Sporen als Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. "Wir bekämpfen Pilze mit Pilzen", sagt Produktionsleiter Daniel Karsch. Die gewonnenen Sporen werden teils zu einem Granulat, teils zu einer Flüssigkeit verarbeitet, die von den Landwirten je nach Wunsch eingesetzt werden können.

So gibt es für Weinbauern ein auf dem Schimmelpilz Trichoderma atroviride basierendes Mittel gegen eine Fäulniskrankheit. Landwirte haben gegen eine Raps-Krankheit ein Mittel, das vom Bodenpilz Coniothyrium minitans stammt. Für Entwicklungen im biologischen Pflanzenschutz war Prophyta-Chef Lüth bereits vor zehn Jahren mit dem Umweltpreis Europas ausgezeichnet worden.

Gas soll einfach gefiltert werden

Statt Sporen nun Gas aus dem Pilzzuchtanlagen zu gewinnen, halten Lüth und Karsch für technisch machbar. "Gas ist ja nur das Stoffwechselprodukt des Pilzes. Wenn wir dem Fermenter Luft zuführen, könnte man in der Abluft einen Filter installieren und das Gas so abschöpfen und vielleicht in Flaschen füllen. Das ist unsere Idee", sagt Lüth

Die Wirkung des Pilzgases gilt zwar als unbestreitbar. Welcher der Bestandteile jedoch nun für die Zerstörung vieler Fäulnispilze zuständig ist, das müssen Wissenschaftler herausfinden, bevor das Pilzgas im Lebensmittelbereich eingesetzt werden kann. Knapp 20 Inhaltsstoffe habe das Gasgemisch, sagt Christian Stollberg, Professor für Verfahrenstechnik biogener Rohstoffe an der Hochschule Wismar.

Per Gaschromatographie und Massenspektroskopie werden die Bestandteile jetzt "zerpflückt", um herauszufinden, wie genau der Pilz wirkt. Dass er bei allen beobachteten Einflüssen auf Fäulniserreger auch selbst eine zerstörerische Kraft haben könnte, glauben die Projektpartner nicht. Die Wirkung des Gases halte dafür nicht lange genug an, sagt Lüth.

Pilzgas-Projekt bekommt Förderung

Das Land Mecklenburg-Vorpommern fördert die auf zwei Jahre angelegte Verbundforschung mit 132.000 Euro, insgesamt kostet sie die Partner 170.000 Euro. In vier bis fünf Jahren soll das Pilzgas produktionsreif sein, hergestellt wird es dann in Wismar, verspricht Lüth und schwärmt schon von einem riesigen Markt. "Allein an Bananen werden jährlich zehn Millionen Tonnen aus den Herkunftsländern nach Europa und den USA transportiert, das sind 500.000 Container. Sollten wir nur in zehn Prozent der Transporte die toxischen Stoffe mit unserem Pilzgas ablösen, wäre das ein ganz großes Geschäft."

Quelle: dapd


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