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Putenfleisch-Test: Da vergeht der Appetit

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Putenfleisch-Test: Da vergeht der Appetit

02.01.2012, 19:36 Uhr

Putenbrustfilet und -schnitzel: Getestet und für "mangelhaft" befunden. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Putenbrustfilet und -schnitzel: Getestet und für "mangelhaft" befunden. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bei Öko-Test ist man sich einig: Der aktuelle Putenfleisch-Test kann einem den Appetit verderben. Wird das Geflügelfleisch bisher als gesündere Variante gegenüber Schweine- oder Rindfleisch gepriesen und wegen seiner angeblich besseren Haltung dem Hähnchenfleisch vorgezogen, sollte nun auch hier genauer hingeschaut werden. Zu dem Ergebnis sind die Experten des Verbrauchermagazins gekommen, nachdem sie zwölf verschiedene Putenbrustfilets und -schnitzel auf Haltung, Antibiotika und Keimbelastung getestet haben.

Hochleistungsrassen für schnelles Putenfleisch

Das Geheimnis billigen Fleisches verbirgt sich hinter der Rasse des Tieres und der Behandlung während der Aufzucht. Bei den getesteten Fleischprodukten handelte es sich ausschließlich um Putenbrust- oder -schnitzel von Hochleistungsrassen mit romantischen Namen wie "Big 6" oder "Hybrid Converter-Puten". Im Vergleich zu "normalen" Puten aus Omas Garten, setzen sie in einem kurzen Zeitraum sehr viel Brustfleisch an und wachsen in drei bis fünf Monaten zu einem "Schwergewicht" heran.

Wie die Albert Schweitzer Stiftung (Tierschutzverein) gegenüber Öko-Test berichtet, können die Puten aber nach wenigen Wochen ihr eigenes Körpergewicht nicht mehr halten und liegen ab diesem Zeitpunkt fast nur noch in ihrem Gefängnis. Sie erleiden schmerzhafte Blasen und können sich nicht mehr richtig pflegen. Dazu kommen die beengten Verhältnisse bei der konventionellen Haltung. Auf einem Quadratmeter leben etwa drei ausgewachsene Truthähne.

Der Schnabel muss weg

Bei der konventionellen Haltung der Tiere werden auf Grund der bestehenden Enge im Stall besondere Vorkehrungen getroffen, die laut Tierschutzgesetz eigentlich verboten sind: Den Tieren wird als Küken der Schnabel gekürzt, sprich abgeschnitten. Das soll verhindern, dass sich die Tiere gegenseitig tothacken, die auf einer so engen Fläche später Aggressionen gegen ihre eigenen Artgenossen hegen. Das hat zur Folge, dass den Tieren bei jeder kleinsten Berührung der Schnabel schmerzt, doch müssen sie ihr Futter picken, um nicht zu verhungern.

Vergabe von Antibiotika, manchmal auch illegal

Schon allein wegen dieser äußeren Umstände müssen die Tiere häufig mit Antibiotika behandelt werden. Während allerdings Bio-Puten nur ein einziges Mal Antibiotika verabreicht bekommen dürfen, werden die Tiere bei konventioneller Haltung bis zu vier Mal über einen längeren Zeitraum behandelt. Dafür bietet das Gesetz genügend Lücken. Zum Teil fallen die Antibiotikagaben zeitlich zu kurz aus, so dass sich Resistenzen unter den Keimen bilden, die dann auch auf den Menschen übertragen werden können. Bei den Tests fand sich sogar ein MRSA-Keim, der bereits eine solche Resistenz entwickelt hatte. Keime dieser Art findet man auch in Krankenhäusern. Manchmal werden auch Antibiotika eingesetzt, die eigentlich gesetzlich verboten sind. Doch wenn die Medikamente nicht mehr anschlagen, darf auf solche Mittel zurück gegriffen werden. Bei allen Proben wurden zum Zeitpunkt des Tests keine Antibiotika nachgewiesen.

Bio-Fleisch ist besser

Während die Puten in konventioneller Haltung qualvoll gezüchtet und gemästet werden, haben es Bio-Puten schon viel besser. Sie dürfen nur ein einziges Mal mit Antibiotika behandelt werden, leben auf größerem Raum, behalten ihre Schnäbel und haben große Bewegungsflächen im Freien. Dazu gibt es hochwertiges Bio-Futter und die Tiere wiegen in etwa halb so viel wie ihre eingepferchten Artgenossen. Weitestgehend einig ist man sich darüber, dass zukünftig andere Rassen verwendet werden sollen. Denn auch die Bio-Züchter, die große Discounter beliefern, verwenden "Bio 6" und Co.

Der Putenfleisch-Test

Das Ergebnis des Putenfleisch-Tests tendiert klar in eine Richtung: Wenn schon Pute auf dem Teller, dann Bio-Putenfleisch. Es kostet zwar deutlich mehr, dafür unterstützt man aber eine artgerechtere Tierhaltung. Die Tiere aus konventioneller Haltung hatten alle keinen Zugang ins Freie, alle bekamen die Schnäbel gekürzt und waren zum Teil mit Keimen belastet. So konnte deren Fleisch nicht besser als mit "mangelhaft" bewertet werden. Hinzu kommt, dass sich nicht alle Firmen in die Karten schauen ließen und den Zugang zu Ställen und genauen Angaben zu Tierart und -haltung verwehrten.

Weitere Testergebnisse und Informationen finden Sie in der Januar-Ausgabe 2012 von ÖKO-TEST.

Quelle: Ökotest


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