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Upcycling: Aus Abfall werden neue Design-Objekte

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Upcycling: Zu schade für den Müll

28.09.2011, 09:21 Uhr | Christine Persitzky

Aus Alt macht Neu. (Quelle: Raufeld)

Aus Alt macht Neu. (Quelle: Raufeld)

Aus vermeintlich wertlosem Abfall können mit etwas Kreativität neue, schöne und faszinierende Dinge entstehen. Aus alten Ölfässern werden Couchtische, aus Autoreifen kunstvoll geschnitzte Spiegelrahmen, aus Fahrradschläuchen Gürtel und Taschen. Upcycling nennt sich dieser Trend. Immer mehr Designer und Künstler überraschen die Käufer mit phantasievollen Produkten. Wie beim profanen Recycling geht es auch hier darum, Abfallmengen zu verringern, Schadstoff- und Klimagasemissionen zu senken und wertvolle Ressourcen zu schonen. Was liegt also näher, als gebrauchte Rohstoffe für die Herstellung von Alltagsgegenständen, Möbeln oder Design-Objekten zu nutzen?

Recycling in schönerer Form

Doch neben der Wiederverwertung spielt auch das Design der neuen Dinge eine Hauptrolle. "Es reicht heute nicht mehr, wie in der Anfangszeit der Öko-Bewegung in den 80er-Jahren, dass die Produkte einfach nur ökologisch korrekt sind", sagt Jürgen Breiter, Architekt und Kopf des Projektes "Stadtfund". "Das Objekt muss trotzdem auch schön aussehen, damit es überhaupt jemand haben will."
 Während bei ihm die Lampen ausgedienter Kühlschränke zur Wohnzimmerleuchte avancieren, aber immer noch Lampe bleiben, bringt Valentina Araújo ihre Materialien in eine komplett neue Form und Funktion.

Müll kann auch schmücken

Aus leeren Verpackungen fertigt sie Schmuck an. Dazu fädelt Araújo zum Beispiel unzählige, centgroße Plättchen, die sie zuvor aus Getränkekartons ausgeschnitten hat, zu Ketten auf. Kleine Elemente aus Coladosen werden zu winzigen Würfeln geknickt und zu Ohrringen verbunden. Aus Shampooflaschen entstehen Fingerringe. "Ich habe schon immer aus alten Sachen neue gefertigt", erzählt die Brasilianerin. "Und ich habe auch schon immer Schmuck gemacht." Beides miteinander zu verbinden lag daher nahe. Leere Getränkedosen findet die Künstlerin auf der Straße, auch Freunde bringen ihr Materialien mit. Verkauft werden die Stücke - die sie alle in ihrem Atelier im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg fertigt - vor allem in Online-Shops wie DaWanda. Auch die Norwegerin Anette K. Hansen und die Kanadierin Deidre Ritsche haben die Ästhetik gebrauchter Materialien für sich entdeckt. Unter dem Label Semi Domesticated bieten die Künstlerinnen bei ihren "Show- and Sell-Events" aufgewertete Möbel, Kleider und Wohnaccessoires zum Kauf an.

Vorsicht bei giftigen Inhaltsstoffen

Alte Bücher und Kassetten, abgelegte Pullis, leere Zahnpastatuben, Aluminiumverpackungen, Konservendosen - nichts scheint vor den kreativen Bastlern sicher. Doch die Wiederverwertungsleidenschaft hat auch Grenzen. Die sind erreicht, wenn die Materialien durch ihren nicht mehr bestimmungsgemäßen Gebrauch zum Gesundheitsrisiko werden. LKW-Planen aus PVC können so genannte Weichmacher abgeben, auch dann noch, wenn sie schon zu Taschen verarbeitet sind. Gummi-Fahrradschläuche enthalten eine ganze Reihe problematischer Stoffe, hier sollte man den Kontakt zur Haut oder zu Lebensmitteln vermeiden. Und ganz generell rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zur Vorsicht, wenn für den Außenbereich produzierte Materialien in größeren Mengen in Innenräumen verwendet werden, weil sich daraus Schadstoffe lösen könnten. Mit kleinen Kindern im Haushalt sollte man ganz besonders vorsichtig sein und darauf achten, dass sie solche Dinge keinesfalls in den Mund nehmen.

Anderer Begriff von Upcycling

Michael Braungart hat dagegen eine ganz andere Vorstellung von Upcycling. Der international renommierte Wissenschaftler ist sicher, dass eine Welt ganz ohne Abfall möglich ist. Mit der Verwendung des Begriffes Upcycling für die Bastelwut der Recycling-Designer ist er ganz und gar nicht einverstanden. "Die Landschaft zur Deponie zu machen, indem ich Müll irgendwo anders hindrapiere, hat mit Upcycling nichts zu tun. Wenn ich das Falsche perfekt mache, wird es nur perfekt falsch", argumentiert der wissenschaftliche Leiter des Hamburger Umweltinstitutes. "Upcycling ist aus unserer Sicht, dass das Produkt von Anfang an so gestaltet wird, dass es später in einer höheren Qualität wieder eingesetzt werden kann." Zum Beispiel ein intelligentes, ungiftiges und unzerbrechliches Material als Verpackung für Babynahrung, aus dem später der Schreibtisch fürs Kinderzimmer produziert werden kann. Solange das noch nach Zukunftsmusik klingt, kann es nicht schaden, den Dingen auch mit ihrer Wiederverwertung eine neue Form der Wertschätzung zu geben.

Quelle: Raufeld

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