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Verbraucher wollen Tierwohl-Siegel im Handel

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Verbraucher fordern Tierwohl-Siegel

05.03.2012, 13:38 Uhr | mt, feelgreen.de

Das neue Tierwohl-Label soll unter anderem Schweinen mehr Platz und die Möglichkeit zum Auslauf gönnen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Das neue Tierwohl-Label soll unter anderem Schweinen mehr Platz und die Möglichkeit zum Auslauf gönnen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Immer mehr Konsumenten wünschen sich, dass das Fleisch auf ihrem Teller aus einer verträglichen Tierzucht stammt. Doch im Supermarkt bleibt bisher nur die Wahl zwischen konventionellem Fleisch und Bio-Haltung. Viele Verbraucher sind zwar mit den Bedingungen der konventionellen Haltung nicht einverstanden, greifen aus Kostengründen aber dennoch häufig danach. Das Tierwohl-Label soll zukünftig die Auswahl vergrößern.

Drei Viertel wollen geprüftes Tierwohl                       

Deutschland ist tierfreundlich: Laut einer aktuellen und repräsentativen forsa-Umfrage würde eine große Mehrheit beim Lebensmitteleinkauf auf ein Siegel achten, das geprüftes Tierwohl garantiert. Von den Befragten sprachen sich 74 Prozent für ein Siegel aus, nur 23 Prozent legen darauf weniger Wert. Aber was sind die Kriterien für das "Tierwohl", das gefordert wird? Die Verbraucher erhoffen sich davon in erster Linie gute Haltungsbedingungen, wollen also mehr Platz für die Tiere im Stall und die Möglichkeit zum Auslauf.

Auch artgerechte Tiertransporte und eine möglichst stressfreie Schlachtung werden als besonders wichtig angesehen. Welche Bedingungen für die Tiere tatsächlich wichtig sind, wird seit einigen Jahren erforscht. Zu der eigens dafür gegründeten Initiativgruppe gehören unter anderem Wissenschaftler der Universitäten Göttingen und Kassel, Vertreter des Deutschen Tierschutzbundes und verschiedener Unternehmen.

Bisher Kriterien für Schweine und Hühner definiert

Zukünftig soll das Tierwohl-Label Standards für Aufzucht, Mast, Transport und Schlachtung von allen relevanten Tierarten definieren. Diese sollen laut Tierschutzbund "weit über den gesetzlichen Vorgaben" liegen. Bisher wurden vor allem Kriterien für die Hühner- und Schweinemast entwickelt. Auf Dauer sollen aber alle Produktionsstufen mit einbezogen werden und weitere Tierarten wie Rinder und Puten hinzukommen.

Außerdem soll es zwei verschiedene Stufen geben: Der "Einstiegsstandard" wird mit einem Stern gekennzeichnet, der "Premiumstandard" mit zwei Sternen. Der Einstiegsstandard garantiert etwa mehr Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten. In der Premiumstufe wird zusätzlich der Zugang zu einem Auslauf gewährleistet.

Versuchsställe mit Kameraüberwachung

Die Wirkung der neuen Haltungsbedingungen wird derzeit in Versuchsställen untersucht, die kameraüberwacht sind. So haben Schweine bis zu 50 Prozent mehr Platz im Stall. Die Ställe werden zusätzlich mit Spielmöglichkeiten wie Stroh, Seilen und Rasselketten ausgestattet. Die Versuche bestätigen, dass die Tiere dadurch untereinander deutlich weniger aggressiv sind.

Test mit langsamer wachsenden Rassen

Auch in der Hühnerzucht sollen die Tiere mehr Platz zur Verfügung haben. In der konventionellen Zucht werden Hühner innerhalb von etwa 30 Tagen auf bis zu 2,5 Kilogramm gemästet – ein Gewicht, unter dem viele der Tiere zusammenbrechen. Deshalb wird die Erfolgsquote der Zucht mit langsamer wachsenden Rassen getestet. Auslaufmöglichkeiten und Spielmaterial wie Strohballen und Picksteine sollen auch bei den Hühnern für mehr "Tierwohl" sorgen.

Auflagen machen das Fleisch um etwa 30 Prozent teurer

Das neue Label dürfte bei den Verbraucher Anklang finden: In einer ähnlichen forsa-Umfrage hatten Verbraucher bereits im Jahr 2011 bessere Produktionsbedingungen gefordert. Für die höheren Standards muss der Verbraucher allerdings auch etwas mehr zahlen. Fleisch mit dem Tierwohl-Label wird voraussichtlich um etwa 30 Prozent teurer sein. In diesem Jahr soll es bereits erste Produkte mit dem neuen Label im Handel geben.

Quelle: mt, feelgreen.de


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