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Windenergie: Windräder werden Fledermäusen zum Verhängnis

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Windräder werden Fledermäusen zum Verhängnis

22.08.2014, 13:51 Uhr | vdb/cme

Windräder werden für Fledermäuse zur tödlichen Falle.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Windräder werden für Fledermäuse zur tödlichen Falle. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Für immer mehr Fledermäuse werden die Windkrafträder zur tödlichen Falle. Forschern zufolge sterben jährlich 300.000 der Tiere in den Turbulenzen der Rotoren.

Windräder entpuppen sich als Fledermausfalle, weil sie die nach EU-Recht und UN-Konvention geschützte Tierart zur Zug- und Paarungszeit anlocken. Dann formieren sich Fledermäuse besonders gerne zu Schwärmen. Dies geschieht in der Nähe landschaftlicher Strukturen wie Felsen, Kirchtürmen oder eben Windkrafträdern.

Lungen und innere Organe platzen

Der Tod an jenen ist allerdings nicht die Folge einer Kollision: Fledermäuse sind geschickter als Vögel und können im Gegensatz zu diesen problemlos zwischen den Rotorblättern hindurch fliegen, wie Julian Heiermann, Zoologe beim Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) gegenüber t-online.de erklärt. "Allerdings gelangen sie hinter den Rotorblättern in den Luftstrudel und erleiden tödliche Lungenverletzungen", erklärt der Fledermaus-Experte. Die Luftverwirbelungen und der Druckabfall lassen die Lungen und inneren Organe der Tiere regelrecht platzen.

Mit der großen Zahl verendeter Fledermäuse bestätigt das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) eine Studie der Universität Hannover, die davon ausging, dass jährlich rund eine Viertel Millionen Fledermäuse den Windrad-Tod sterben.

Viele Fledermäuse verenden auf der Durchreise

Die Untersuchung des IZW beschäftigte sich darüber hinaus auch mit der Herkunft der Großen Abendsegler, einer migrierten Fledermausart, die häufig an den Krafträdern in östlichen Bundesländern verendet. Dabei zeigte sich, dass ein Viertel der betroffenen Tiere aus dem Baltikum, Russland, Weißrussland und Polen stammte. Die Tiere waren auf dem Weg zu ihrem Winterquartier in Deutschland oder dem südwestlichen Europa, wie das IZW informiert.

Bestand ist in Gefahr

Zudem fanden die Wissenschaftler heraus, dass besonders viele weibliche und junge Tiere verunglückten. Das ist für die Populationen besonders kritisch, da so die Entwicklung nachfolgender Generationen gefährdet werden könnte. "Die Studie zeigt, dass wir in Deutschland nicht Verantwortung für den Artenschutz heimischer Fledermausarten tragen, sondern aufgrund der zentralen Lage als Durchreiseland auch für migrierende Fledermäuse aus entfernten Ländern", sagt Christian Voigt, Fledermausexperte vom IZW. Besonders kritisch sei, dass sich diese Populationen bei ungünstigen Klimabedingungen ohnehin kaum vermehren. Wenn sie dann noch an deutschen Windkrafträdern verunglücken, werde der Bestand vermutlich empfindlich geschwächt.

Dennoch ist aufgrund von toten Fledermäusen nicht die Windenergie an sich in Frage zu stellen. Vielmehr müssten Vorrichtungen entwickelt werden, die diesen qualvollen Tiertod verhindern.

Quelle: vdb/cme


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